Passion

Passionsweg – Station 1: Die Gefangennahme (Johannes 18,1-11)

Liebe Geschwister,

an den kommenden Tagen lade ich euch ein, den Passionsweg Jesu mitzugehen, wie ihn uns das Johannesevangelium berichtet.

Der Passionsweg Jesu ist einzigartig. Es ist nicht unser Weg. Und doch ist er zugleich Hilfe für unseren Weg der Nachfolge, die wenn es echte Nachfolge ist, immer Kreuzesnachfolge ist.

Bitte lesen: Johannes 18,1-11

„Den Becher, den der Vater mir gegeben hat, sollte ich den nicht trinken?“ Jesus nimmt den Weg an, der ihm beschieden ist. Wir wissen, wie er endet. Jesus wusste es (V. 4). In Zeiten der Coronakrise wird das plötzlich mehr als eine theoretische Frage: Nehme ich den Weg an, der mit erwartet, oder sträube ich mich wie Petrus vergeblich gegen etwas, wo ich keine Chance habe, etwas zu verändern. Allgemeiner noch: Kann ich ja sagen zu meinem Leben – auch mit den Tiefen, auch mit den Abgründen, auch mit dem, was mir unschuldig vielleicht widerfahren ist?

Jesus ist bereit, weil er weiß, dass selbst der Kelch des Leidens letzten Endes aus der Hand des Vaters kommt, der ihn liebt. Er lässt es zu in seiner unerforschlichen Weisheit. So ist Jesus bereit für seinen Weg, bekennt sich zweifach klar, der Gesuchte zu sein. Deutlich sagt er: „Ich bin es.“ Deutlich wird auch, dass Gott die Fäden in der Hand behält. Die Häscher fallen vor dem wortmächtigen Bekenntnis Jesu zu Boden. Kein Haar ist auf Jesu Haupt, dass nicht gezählt ist.

So geborgen dürfen wir uns auch in der Zeit der Unsicherheit fühlen: Werde ich krank? Gar: Werde ich wieder gesund? Verliere ich durch die Krise meinen Arbeitsplatz? Verliere ich Kontakte? Gehen Dinge in meinem Leben unwiderruflich verloren? Die Bibel sagt zu heimtückischen Seuchen dasselbe wie zu anderen Gefahren des Lebens. Psalm 91,5-7 erklärt: Sie sollen uns nicht erschrecken. Wenn auch tausend durch eine Seuche um mich fallen, muss es mich nicht treffen. Es gibt kein Automatismus. Panik ist fehl am Platz. Warum? Wir sind in Gottes Hand. Und doch sterben Menschen – auch vom Volk Gottes – z.T. reihenweise an Seuchen – unschuldig oder schuldig. Doch wir müssen uns darüber keinen Kopf machen. Im Kopf aber haben sollen wir, dass alles in Gottes guter Vorsehung seinen Platz hat.

Der Weg Jesu hier zeigt auch, dass es ein Weg für uns ist. Es ist ein Weg der Liebe. Bevor er sich in die Hände des Feindes gibt, handelt er die Freiheit für die Jünger aus. Ihre Freiheit erkauft er mit seiner Gefangenschaft. Das was von Jesus in der damaligen Situation galt, gilt für uns alle Tage übertragen. Wir müssen uns nicht gefangen nehmen lassen von dieser Welt, ihren Reizen und ihren Schrecken. Durch Jesus sind wir frei, mit ihr umzugehen. Wir dürfen getrost leben, weil er uns liebt. Wir dürfen dankbar, ja glückselig sein, weil seine Liebe nicht an dieser Welt scheitert. Wir dürfen staunend anbeten, dass Gott in Jesus diese Welt erträgt, damit diese Welt nicht über unsere Kraft geht. Ja er schenkt uns die Kraft für den nächsten Schritt und Hoffnung für alle Tage. Das genügt.

Passionsweg – Station 2: Jesus vor den Hohenpriestern (Johannes 18,12-27)

Liebe Geschwister,

an den kommenden Tagen lade ich euch ein, den Passionsweg Jesu mitzugehen, wie ihn uns das Johannesevangelium berichtet.

Der Passionsweg Jesu ist einzigartig. Es ist nicht unser Weg. Und doch ist er zugleich Hilfe für unseren Weg der Nachfolge, die wenn es echte Nachfolge ist, immer Kreuzesnachfolge ist.

Bitte lesen: Johannes 18,12-27

Was für ein Kontrast. Eben in Gethsemane das wortmächtige Bekenntnis Jesu zu seiner Person: „Ich bin es“ (Joh 18,5). Nun die dreifache Verneinung des Simon Petrus im Hof des Hohenpriesters.

Während Jesus drinnen im Palast vor Hannas für seine Person, seine Jünger und seine Lehre gerade steht, verleugnet Simon Petrus seinen Herrn vor Mägden und Knechten. Mag man ihm zu Gute halten, dass er für Jesus kämpfen wollte, dass er als Einziges des Zwölferkreises sich Zugang bis zum Ort des Verhörs verschafft hat, so endet doch seine Nachfolge hier kläglich. Ausgerechnet ein Verwandter des Malchus, dem Menschen, dem er im Garten noch ein Ohr abschlug, erkennt ihn wieder. Doch dieser streitbare Held will er nun nicht mehr sein.

Ganz anders streitet Jesus mit Hannas im „Gerichtssaal“. Mehr als Richter, denn als Angeklagter tritt er auf. Nicht er muss sich beweisen, sondern seine Ankläger sollen Beweise herschaffen. Schnell ist das Verfahren vorerst vorbei. Jesus wohnt eine Gelassenheit und Stärke inne, die den anderen fehlt, die Simon Petrus fehlt. 

Der Hahnenruf erinnert Simon Petrus dann nicht nur daran, dass Jesus ihm das Ganze prophezeit hat (Joh 13,38). Es erinnert ihn vor allem an seine Selbstüberschätzung. Er, Simon Petrus, wollte sein Leben für Jesus geben… Simon Petrus wird lernen müssen, dass wir davon leben, dass Jesus sein Leben für uns gibt. Seit Simon Petrus weckt jeder Hahnenruf die Christen aus dem Schlaf der frommen Selbsttäuschung, ihr Leben der Nachfolge sei aus ihrem Willen und Wollen geboren, mit ihrer Kraft getan. Nein. Sie sind von „oben geboren“ (Joh 3,3) und nur mit Kraft von oben kann man diesen Weg gehen. Aus eigener Kraft scheitert jedes Christsein.

Ein Mann, der das im Johannesevangelium lernt, heißt Nikodemus (hier der „andere Jünger“ mit Zugang zum Hohen Rat?, Vgl. Joh 3,1, 7,51). Diesem Nikodemus verrät Jesus seiner Zeit, dass dies im Schauen auf den Gekreuzigten passiert (Joh 3,9-18). Dort entsteht Glauben an die vollendete Liebe Gottes, Liebe, die trägt und Mut gibt, die Nikodemus am Ende auch an  der Seite des Gekreuzigten stehen lässt (Joh 19,39).

Zur Offenbarung der vollkommenen Liebe Gottes soll es nach Gottes Führung hier kommen. Selbst die Feinde Jesu entpuppen sich dabei als Gottes Handlanger. Ja, der Hohepriester Kaiphas, muss ausprechen, was die tiefste Wahrheit über das Sterben Jesu ist: „Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass das ganze Volk verderbe.“ Das passiert hier, wenn auch ganz anders als Kaiphas es sich gedacht hat. Gottes Liebe behält die Fäden in der Hand. Gottes Liebe schwächelt nicht auf dem Weg zum Kreuz. Gottes Liebe schwächelt nicht auf dem Weg zu dem Ort, an dem deutlich wird: Seine Liebe ist vollkommen. Seine Liebe hält all unserer Sünde und Schuld stand. Nichts kann uns von ihr trennen. Aus dieser Liebe können wir leben. Sie lässt den Weg ans Kreuz mitgehen. Sie lässt aufstehen, wenn der Hahn mal wieder ruft.  

Passionsweg – Station 3: Jesus vor Pilatus (Johannes 18,33-38)

Liebe Geschwister,

in den kommenden Tagen lade ich euch ein, den Passionsweg Jesu mitzugehen, wie ihn uns das Johannesevangelium berichtet.

Der Passionsweg Jesu ist einzigartig. Es ist nicht unser Weg. Und doch ist er zugleich Hilfe für unseren Weg der Nachfolge, die wenn es echte Nachfolge ist, immer Kreuzesnachfolge ist.

Bitte lesen: Johannes 18,33-38

„Du bist der König der Juden?“ lautet die erstaunte aber entscheidende Frage des Stadthalter Pilatus an Jesus. Er soll sich als Richter ein Urteil über Jesus bilden. Die jüdische Elite will seinen Tod. Dazu bedarf es eines todeswürdigen Grundes. Politischer Aufruhr, Aufstand, Rebellion ist so einer. Und wegen dieser Anklage, so sagen es die Historiker, so sagt es die Tafel an seinem Kreuz (19,19), wird er sterben. Wie lautet unser Urteil über Jesus? 

Pilatus, ein erfahrener Mann, erkennt schnell, dass Jesus unschuldig im Sinne der Anklage ist. Hier steht keiner vor ihm, der mit Gewalt an die Macht will (V. 36). Dreimal wird er Jesu Unschuld den jüdischen Führern bezeugen (18,38; 19,4.7). Er würde Jesus am liebsten freilassen, doch ist er selbst nicht frei in seinem Handeln. Er fürchtet die Meinung der Mächtigen und der Masse. Er fürchtet um sein Amt (19,12). Und so demütigt er die jüdischen Mächtigen zwar immerzu, knickt aber am Ende vor ihnen ein. Auch wer Jesus heute nachfolgen will, muss bereit sein, eine Meinung gegen den Trend zu haben.

Wenn du Jesus nachfolgen willst, muss aber noch mehr passieren. Du musst den Anspruch fallen lassen, als Richter über Jesus ein Urteil sprechen zu können. Stattdessen musst du dich dem Anspruch Jesu stellen, ein König zu sein (V. 36f). Pilatus ist dazu nicht bereit. Jesus jedenfalls begibt sich nicht in die Position des Angeklagten, sondern antwortet  als Zeuge der Wahrheit (V. 37). Plötzlich ist Pilatus der Gefragte, muss für sich klären, ob er dieser Wahrheit folgen will. Pilatus weicht der Wahrheit aus. Philosophisch fragt er „Was ist Wahrheit?“ und entzieht sich dem Gespräch. So kann sich jeder dem Anspruch Jesu entziehen bis auf den heutigen Tag. Und Jesus wird keinen mit Gewalt, und sei es die der Argumente, in sein Reich zwingen. Er will nämlich unser Vertrauen, nicht unsere Unterwerfung. Sonst würden seine Diener kämpfen.

Wem es wirklich um den Anspruch Jesu geht, der wird sich auf den einlassen, der der Weg und die Wahrheit und das Leben ist (14,6), der wird seine Worte halten und erkennen, ob er von Gott ist (7,17). Zu Jesus kommt man nicht auf den Weg eines Urteiles über ihn. Aber er lässt sich von jedem erfahren, man findet ihn auf seinem Weg. Dazu lädt Jesus uns ein. Dazu müssen wir vom Richtersessel absteigen.