Sonntagsmeditationen

Sonntagsmeditation, 3. & 10. Mai 2020: Gottes Traum für uns – Frucht für alle

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

haben Sie sich mal gefragt, was Gottes Traum für seine Menschen in dieser Welt ist? Worauf zielt Gott eigentlich mit seinem Tun und lassen? Bei Jesus sehen wir es. In ihm wird der Traum Wirklichkeit. Auch bei Ihnen und mir.

Jesus verwendet dazu in Johannes 15 ein wunderbares Bild, das des Weinstockes. Da spricht Jesus: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr Frucht bringt und werdet meine Jünger sein.

Ein Bild voller Leben dieser Weinstock. Da strömt Saft und Kraft durch ihn in die Reben und diese produzieren reiche Frucht. Am Ende steht ein guter Tropfen für die Welt. Dafür macht der Weingärtner im Bild jedenfalls alles. Jede Rebe, die keine Frucht bringt, wird entfernt, damit das ganze Leben in die Reben fließt, die Frucht bringen. Noch reicher, noch praller, noch intensiver. Und am Ende steht noch mehr Genuss und ein fröhlicher Weingärtner. Soweit das Bild.

In der Sache stellt sich Jesus als derjenige vor, von dem das pralleLeben Gottes ausströmt. In ihm wird Gottes Traum Wirklichkeit. Und jeder, der mit ihm verbunden ist, ist Teil dieses Weinstockes, dieser Gemeinschaft, erfährt dieses Leben. Der Weinstock ist in der Bibel das Bild schlechthin für Gottes Volk. Und als Gemeinschaft und Einzelne sind sie ein Lebensgewinn für ihr Umfeld, bringen Frucht.

Gemeinschaft mit Jesus ohne Frucht, gibt es nicht, sagt Jesus, weil die Kraft dazu von ihm kommt. Später wird er dieser Kraft einen Namen geben: Liebe. Wahre Liebe verändert immer. Sie lässt nicht unverändert. Ja, wir spüren es Menschen ab, wenn Liebe in ihr Leben tritt. Wir fragen dann manchmal: Ist etwas passiert? Und dann stellt sich heraus: Ja, da ist einer in das Leben getreten und alles ist anders. Liebe verändert. Nicht nur beim Verliebtsein. Sie gibt Rückhalt, schenkt Freude, Geborgenheit, Menschen gehen plötzlich aus sich heraus, entfalten sich, werden frei von sich für andere. Unzählige Filme handeln davon, dass Menschen durch Liebe und Annahme ihre Bitterkeit verlieren, wie wir sagen „plötzlich genießbar werden“, nicht selten ihre soziale Ader dann entdecken.

Jesus verheißt uns. Er ist der Ort, wo man diese verändernde Liebe in Wahrheit erfahren kann. Ohne Tricks. Ohne Kleingedrucktes. Du musst nichts dafür tun. Nur nicht weglaufen. Bei ihm bleiben. Und dann wirst du es wahrhaftig erfahren. Jesus sagt: Ich bin der wahre Weinstock.

Jesus sagt: Bei wem sein Wort, die gute Nachricht von der Zuwendung Gottes angekommen ist, der ist schon rein. Anders gesagt: Wer an Jesus glaubt, der steht schon in Verbindung mit dem echten Leben, bringt schon Frucht. Der muss sich nicht sorgen, ob er den Anschluss an Gott hat.

Und doch, mahnt Jesus seine Jünger, stehen auch sie in einer Gefahr, stehen auch wir in einer Gefahr: Wir können bei Jesus aus dem Vollen schöpfen und nehmen doch häufig nur hier und da einen kleinen Schluck. Viel zu häufig bestimmen uns alte Lebensmuster und wir machen unser Lebensglück doch wieder abhängig von Dingen – z.B. von dem Urteil der Menschen, die wir mögen oder noch schlimmer, die uns nicht mögen, die Palette ist lang. Wir koppeln unser Lebensgefühl doch wieder an tausend andere Dinge, als allein aus Gottes bedingungsloser und deshalb so befreiender Liebe zu schöpfen.

Da tut es gut, zu hören, was Jesus hier sagt: Bei ihm bleiben genügt. Bei ihm bleiben, sich seiner Liebe aussetzen mit Herz und Verstand. Darum geht’s. Sein befreiendes Wort an sich heranzulassen. Sein Leben aus ihm gestalten. Die Fehler von ihm vergeben lassen. Im Bild gesprochen: So reinigt der Weingärtner seine Reben, dass sie noch mehr Frucht bringen.

Den wahren Weinstock – Jesus. Seine Reben – uns. Man kann ihn an seinen Früchten erkennen. Nicht daran, ob man christlich getauft und beerdigt wurde, nicht an Lippenbekenntnissen, sondern daran, ob etwas von Gottes Leben bei dem Menschen ankommt. Jesus ruft Menschen nicht zum Selbstzweck und für etwas Glück zeitlebens in seine Gemeinschaft, sondern damit sie zu seiner Ehre für die Welt da sind – Gottes große Liebe. Der wahre Weinstock bringt Frucht. Kirche ist immer Kirche für andere, der erste Verein, der nicht zuerst für seine Mitglieder gegründet wurde.

Manchen macht dieses Früchtebringen Stress. Es hört sich nach Arbeit an. Manchen macht dieses Früchtebringen Angst. Sie fragen sich: Bringe ich Frucht? Beides muss es nicht. Wer Jesus hört, merkt, es ist ganz anders. In der Gemeinschaft mit Jesus wird Gottes Traum unser Traum, was wir erfahren, gönnen wir plötzlich jedem, ja es wird zu unserem einen Gebet, dass wir Frucht bringen für die Welt. Dieses Gebet erfüllt Gott. Aus der Last für andere da zu sein, wird Lust. Oder wie Jesus sagt: „Das habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist.“ Gönnen wir uns also die Freude bei Jesus zu sein. Wir werden sie vor anderen nicht verheimlichen können, ja sie wird die Welt verändern. Ansonsten kommt sie nicht von Jesus, nicht vom wahren Weinstock.

Jesus ist die große Kraft- und Freudenquelle für die Seinen. Ohne ihn können wir nichts tun. Mit ihm wird vieles möglich. Auf jeden Fall aber erhalten wir Liebe, erleben Freude, erfahren tiefen Frieden. Dazu bedarf es nicht viel – nur zu bleiben.

Es gibt diese Geschichte von dem Bauer von Ars. Der Priester entdeckt ihn immer wieder in seiner Kirche. Er sitzt da, schaut nach vorne, zum Kreuz. Und sitzt da. Sonst nichts. Eines Tages fragt ihn der Pfarrer: „Was tust Du denn hier die ganze Zeit über?“ Die Antwort: „Ich schaue ihn an, und er schaut mich an. Das ist genug.“ Schauen Sie sich Jesus an! In der Stille vor einem Kreuz. Oder wie er mit Menschen umgeht in der Bibel. Das ist schon bleiben bei Jesus. Aber Sie werden nicht bleiben wie sie sind. Sie werden Frucht bringen. Leben erfahren und Leben schenken. Allein durch Jesus. Amen.

Sonntagsmeditation „Der gute Hirte“ (Johannes 10,11-15.27+28)

Was gibt auch in Krisen Halt? Wem kann ich mich letztlich anvertrauen?

Liebe Gemeinde, liebe Biebertaler,

Corona-Zeiten stellen diese Fragen neu. Zeiten, in denen klar wird, dass es keine Versicherung für das Leben gibt, kein Schutzschirm für alles und jeden, nicht mal ein Leben nur mit Restrisiko.

Vieles bricht momentan weg, worauf wir Menschen immer wieder bauen. Vieles wird uns genommen, was unser Leben ausmacht. Vieles erweist sich nicht als krisenfest. Vielfach stellen wir fest: Auf das Leben kann man sich nicht umfassend vorbereiten. Das verunsichert.

Dankbar kann man dann gerade sein, wenn nicht noch Gestalten auftreten, die Vieles versprechen, wenig halten, mit dem Leben von Menschen spielen. Insgesamt beobachte ich eine neue Dankbarkeit für das Leben, für Gesundheit, für Familie, für Arbeit und Beruf, für Freiheit und Frieden. Zugleich werden die Glaubenssätze unserer Zeit in Frage gestellt: „Hauptsache gesund!“ Stimmt das? Auch um den Preis der Einsamkeit? Oder: „Familie ist mein Ein und alles.“ Und wenn der Kontakt nicht mehr möglich ist? Ist dann alles nichts? „Arbeit ist mein Leben.“ Leben ohne Arbeit noch lebenswert? Ja, Krisen stellt alte Fragen neu. Krisen stellen die entscheidenden und letzten Fragen: Was gibt meinem Leben Sinn und Halt?

Für 99% der Menschen aller Zeiten konnte die Antwort darauf nie kleiner ausfallen als „Gott“. Die Antwort musste beim Schöpfer liegen, nicht in der Schöpfung. Der Halt beim Haltbarsten, Gott selbst. Wenn nicht er, wer dann sollte der gute Hirte sein, der Menschen versorgte und bewahrte, damit Halt und Sinn gab?

Man muss wissen: In der Antike sah sich jeder König  als guter Hirten. Denn diese hüteten ihre Schafe nicht zum Fleischgewinn, sondern, um Milch und Wolle zu geben. Dazu mussten die Schafe gut und lange leben. Der Hirte war somit Inbegriff für einen fürsorglichen und lebensförderlichen Herrscher. 

Jesus Christus tritt nun mit dem Anspruch auf, nicht nur ein Hirte zu sein, nicht mal nur ein guter Hirte zu sein, sondern der gute Hirte schlechthin zu sein, der Leben gibt. Und tatsächlich, nur wenn er ganz und gar uns behütet, kann das Leben, das er gibt, ganz und gar krisenfest sein. Nicht weniger behauptet er. Er gibt ewiges Leben, dass niemand aus seiner Hand reißen kann, dass Krisen und Tod nicht zum Opfer fällt. Ein Leben, das wirklich Halt gibt. Jesus beschreibt sich als Hirten so:

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Die Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie – denn er ist ein Mietling und, und ihm liegt nichts an den Schafen.

Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.“

Gott, zeigt sich uns in Jesus. Er zeigt sich als der Hirte, dem etwas an uns liegt, der uns geschaffen hat und dem wir gehören, der jeden zu einem Original seiner Liebe gemacht hat. Seine Zuwendung erfolgt nicht für etwas, sondern für uns. Er ist kein Hirte, der für Geld arbeitet. An Jesus sehen wir es: Er weint Tränen, wenn wir ihm nicht folgen. Er trägt Trauer, wenn wir seiner Liebe einen Korb geben. Ihn lässt es nicht kalt, wenn wir am Leben vorbeileben. So einen Gott bezeugt die Welt nur einmal… …und glücklich der, der ihn kennt, der sein Leben geborgen und behütet weiß – selbst im Tod.

Denn wo findet sich so ein Hirte, der sein Leben für die Schafe gibt? Das Kreuz ruft es uns immer wieder in Erinnerung: „Niemand hat größere Liebe, als die, dass er sein Leben gibt für seine Freunde.“ So hat es Jesus gesagt. So sieht er uns an, auch wenn wir häufig ihm und seiner Welt feindlich sind. Und so kommt er aus Liebe in diese Welt und lässt sein Leben. Das Angebot der Gemeinschaft mit ihm, kostet ihn einen hohen Preis, den Höchsten, das Leben. So erträgt er unsere Sünde, statt uns im Stich zu lassen oder zu bestrafen, lässt uns nicht los. Er ist wahrhaftig ein Hirte, der alles tut, damit uns nichts das Leben raubt. Er ist ein Hirte, der alles tut, dass die Tür zur Gemeinschaft mit ihm offen bleibt.

Wer ihn kennenlernt, lernt dann auch nicht zuerst ein Gedankengebäude kennen, sondern erfährt eine Liebe, die unser Denken sprengt, die uns verändert, die wunderbar ist.

Um nichts würde ich diesen Hirten und seine Liebe eintauschen. Sie vergeht nicht, wo alles in dieser Welt vergeht. Sie wird mir geschenkt, muss ich mir nicht teuer erkaufen. Ihrer muss ich mich  nicht erst als würdig erweisen. Nein, eintauschen würde ich sie nie. Nicht gegen die Götter unserer Zeit, heißen sie nun Geld oder Geltung, Gesundheit oder Gemeinschaft. Sie mögen noch so groß sein, noch so hinreißend, ja, noch so gut. Sie reichen nicht an diese Liebe, dieses Leben ran. Sie halten nicht dem Leben stand. Sie sind kein ewiges Leben.

Der eine Hirte – Jesus Christus – gibt das Leben, wie er es verspricht. Er hält uns, wenn wir haltlos werden. Ihm geht es wirklich um mich. Das zähle ich zu dem Wunderbaren in meinem Leben. Wunderbar auch, dass ich es mit vielen teilen kann, ja, jeder an diesem Leben teilhaben kann. Denn Jesus Christus hat alles dafür getan. Nichts kann uns daher die Gewissheit seiner Liebe rauben. Nichts dir den Zugang zu ihm verbauen.

Uns bleibt, uns ihm in Glauben und Taufe anzuvertrauen. Dann sind wir gerettet – selbst aus der letzten Krise dem Tod.

Uns bleibt, seine Liebe zu erfahren, indem wir auf ihn hören in der Bibel oder im Gebet, indem wir selbst in den Spuren der Liebe wandeln, andere behüten und beschenken wie kleine Hirten.

Die Einladung des guten Hirten steht jedem offen: Wer heute seine Stimme hört, der folge ihm. Und er gibt dir ewiges Leben. Amen.

Osterandacht zum 1. Sonntag nach Ostern

Liebe Gemeinde, liebe Biebertaler,

Osterzeit ist für uns Christen Freudenzeit. Jesus lebt und wir werden auch leben. Gottes Macht der Liebe sprengt alle Fesseln des Todes. Wir müssen nicht mehr nach seinem Takt marschieren, sondern können nach Gottes Liebe tanzen. Der Tod bestimmt nicht mehr dieses Leben. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort über das Leben. Jesus hat gesiegt. Das Leben hat gesiegt. Es heißt Freude, Freude und noch einmal Freude.

Wenn wir das Evangelium für den heutigen Tag lesen, entdecken wir: Es hat etwas gebraucht bis sich diese Freude durchgesetzt hat. Dann aber kam sie mit Kraft. Ich lese aus dem Lukasevangelium, Kapitel 24, die Verse 36-43, sowie 52+53:

„Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch!“ Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen Hände und Füße. Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen.

Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.“

Soweit das Wort Gottes.

Die Freude bricht sich erst am Ende Bahn. Dann aber ist sie kein Strohfeuer, sondern wirkt allezeit fort. Denn Jesu Auferweckung ist der Sieg des Lebens.

Am Anfang aber stehen bodenständige Skeptiker – die Jünger. Die Botschaft vom leeren Grab, dass Jesus lebt, reicht ihnen nicht. Sie sagen sich: Tote bleiben tot. Sie stehen nicht auf. Was noch nie war, kann auch nie sein. Zu unglaublich. – Klar, so erfährt man nie das Einmalige am Leben. Aber so sind wir. / Sie sagen sich: Auferstehung, das wäre zu schön um wahr zu sein. Wenn diese Welt mit all ihrem Leid und ihrer Ungerechtigkeit nicht alles wäre, eine Welt, in der Seuchen Menschen ungefragt krepieren und aus dem Leben scheiden lassen. Sie können nicht glauben vor Freude. Zu schön! – Klar, so erfährt man nie das Beste. Aber so sind wir Menschen. Wir wollen nicht enttäuscht werden. Doch ist das Beste häufig genau das, was man nicht sieht, nur glauben kann – wie die Liebe.

Die Folge bei den Jüngern Jesus ist wie überall: Sie bleiben allein – mit ihrer Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit. Jesus bleibt tot, ihre Zukunft gestorben, ihr Jetzt bedroht. Alleingelassen hocken sie zusammen in ihrer selbstgewählten Quarantäne der Angst. Nicht ganz unbegründet meiden sie die Öffentlichkeit. Nicht ganz unbegründet befürchten sie, dass die Feinde ihres Meisters auch ihnen ans Leder wollen. Und so wählen sie die Isolation.

Doch dann zeigt sich einmal mehr, wie wunderbar Jesus ist. Jesus selbst erscheint in ihrer Angst, durchbricht ihre Isolation, kommt in ihre Mitte und spricht: Friede mit euch! Das gilt auch dir. Denn er hat heute nicht weniger Interesse an dir, wie an den Jüngern damals. Er weiß, was uns in diesen Tagen umtreibt, bewegt und bedrängt. Und er kommt in unsere Mitte.

Wir sehen dann, wie Jesus Schritt für Schritt ihren Unglauben und Zweifel überwindet. Voller Zuwendung. Voller Eingehen auf ihre gespenstischen Ansichten. Voll Verständnis – ohne Tadel. – Sie sind nicht allein. Jesus ist bei ihnen. Gott mit seinen Möglichkeiten. – Der Tod hat nicht das letzte Wort. Leid und Ungerechtigkeit behalten nicht die Oberhand. Die Botschaft der Liebe Gottes ist nicht am Kreuz gestorben. Nein. Jesus lebt. Das Leben siegt. Gott hat sich mit der Auferweckung zu Jesus bekannt. – Und so kann Angst weichen, Friede einziehen, Freude Raum gewinnen.

Liebe Mitbürger,

nicht, dass Angst nicht wichtig wäre. Sie zeigt uns nicht zuletzt in diesen Tagen, was uns lieb und teuer ist. Sie schützt nicht zuletzt in diesen Tagen, was uns am meisten bedeutet- unsere Lieben und unser Leben. Angst – und sei es die vor Corona – leistet einen guten Dienst!

Doch Angst kann uns auch isolieren, abschneiden vom Leben, dass wir innerlich verkümmern.

Das passiert, wenn sie uns ganz bestimmt.  Wenn aus dem Diener ein Herrscher wird, dann isoliert sie uns von Gott und Menschen, dann nimmt sie uns ganz in Beschlag. Die Angst vor dem Tod, die Angst zu kurz zu kommen – und das kommen wir, nicht nur durch Coroana – nimmt uns gefangen. Sie führt bei den einen zu Torschlusspanik und Hamsterkäufen – nicht nur in der Krise. Sie raubt bei den anderen Lebensmut und Hoffnung – auch das nicht nur in der Krise. Aber die Krise bringt es an den Tag. Sie lässt uns die jetzt notwendigen Beschränkungen nicht aushalten. / Die einen verfallen in Aktionismus, versuchen verzweifelt alles aus der Situation noch rauszuholen und zu retten. Die anderen verfallen in Resignation. Ein grauer Schleier legt sich auf sie. Sie spüren plötzlich wie bedrängend diese Welt mit ihrem Leid und ihrem Schmerz ist, wie hilflos und wie hilflos ungerecht, wie zerbrechlich und vom Tod umfangen.

Und so ist es ja auch. Im Westen hatten wir es fast vergessen. Ein kleiner Virus muss uns daran erinnern, was anderorts Alltag ist. Und es bedrängt, reißt in tiefe Löcher. Plötzlich ohne Arbeit, ohne Unterhaltung, ohne Geselligkeit, dringt es zu uns durch. Es ist als wäre die Musik abgestellt wurde. Und plötzlich halten wir inne vor einer gnadenlosen Welt. Und die Angst ist da. Manchen überfällt Verzweiflung.

Aber das ist nicht die Botschaft von Ostern. Sie lautet Jesus lebt. Das Leben siegt. Der Theologie und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“ Das stimmt! Denn er bleibt nicht allein.

Jesus Christus tritt in seine Mitte als der Gekreuzigte. Und wenn einer unsere Angst und Leid versteht, nicht einfach vom Schreibtisch wischt, dann doch der, der den Jüngern seine Wunden an Händen und Füßen zeigt, das Leid nicht einfach als von Gestern abtut. Sollte er uns nicht verstehen? Ja.

Jesus tritt zudem in seine Mitte als der Auferstandene. Er kommt in Räume unsere Lebens, in denen wir uns schon lange verschlossen haben und spricht: Friede mit dir. Der Tod hat nicht das letzte Wort in deinem Leben. Du musst nicht nach seinem Takt marschieren. Auch drücken Leid und Ungerechtigkeit deinem Leben ihren Stempel nicht auf, sondern du darfst Gottes Liebe atmen. Ostern sagt dir: Hab keine Angst. Friede mit dir. Du kannst gelassen und mutig sein, musst nicht resignieren. Du hast Hoffnung, denn Jesus lebt. Vorfreude darf sich bei dir breit machen. Das Leben hat schon gesiegt.

Nicht jeder glaubt’s, aber wer’s glaubt, wird selig. Heute schon. Er kann nicht mehr verzweifeln. Es bleibt Freude, Freude und nochmal. Freude. In diesem Sinne eine frohe Osterzeit!  

Sonntagsmeditation 29.03.2020

Liebe Gemeinde,

das Coronavirus macht keine Unterschiede zwischen Menschen. Es fragt nicht nach Hautfarbe oder Geschlecht, Herkunft oder Religion, ob jemand arm oder reich ist, angesehen oder geächtet. Es trifft jeden. Mindestens in den Auswirkungen. Es ist eine Not der Menschheit.

Was ist unser Platz als Christen in dieser Not? Der Spruch für die kommende Woche aus Matthäus 20,28 gibt uns darauf eine Antwort: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“

Die Berufung Jesu war den Menschen zu dienen. Not von Menschen jammerte Jesus. Er war für sie da. Er hatte keine Berührungsängste – selbst bei Aussatz. Ja, er war bereit letztlich sein Leben zu geben für viele. Und so betete er für Menschen, befreite Menschen, heilte sie und segnete sie. Auch wenn sein Auftrag zuerst dem Volk Israel galt, machte auch er in seinem Dienst zwischen Menschen keinen Unterschied. Er half allen.

Unser Platz ist an der Seite Jesu. Unser Platz als Christen ist an der Seite der Menschen. Das war der Platz von Christen zu allen Notzeiten der Geschichte und sei es die Pest. Wir wollen Gott im Gebet bitten, dass er uns die Augen öffnet, zeigt, wo wir helfen können. Wir wollen die Nachbarhäuser und Kranken in Gedanken durchgehen und überlegen, wo Hilfe von Not sein könnte. Vielleicht braucht nicht jeder eine Einkaufshilfe. Vielleicht hilft vielen ein Anruf, ein Gespräch, ein gutes Wort oder auch nur ein Zeichen, im Blick zu sein. Es ist wichtig miteinander im Austausch zu bleiben. Es ist wichtig im Austausch mit Gott zu sein. Dann findet auch jeder seinen Beitrag, den er einbringen kann. Der eine spendet Blut, der andere Aufmerksamkeit, ein Dritter hilft, die digitale Welt mit ihren Angeboten Älteren zu erschließen. Not tut nun nicht nur die Not, sondern mehr denn je bei Gott und den Menschen zu sein. Wir wollen nicht wie Kain fragen „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“, sondern im Dienst dessen stehen, der der Menschenhüter schlechthin ist.

Unsere Aufgabe ist es nun nicht, zu fragen, ob das Ende der Zeit nahe ist – damit sollen wir rechnen – , sondern wir sollen uns fragen, ob Jesus von uns am Ende der Zeit sagen kann: „Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht“ (Matthäus 25,36). Wir sollen nicht fragen, ob Gott mit dieser Seuche die Welt richtet, sondern schauen, dass wir selbst so leben, nicht gerichtet zu werden. Mit Blick auf das eigene Leben kann die Bilanz da schnell nüchtern und trostlos ausfallen. Trost aber finden wir bei dem, der gekommen ist, sein Leben als Lösegeld zu geben für viele. Er, Jesus, ist nicht gekommen, um uns zu richten, sondern um uns zu retten. Wer sich ihm anvertraut, kann frei werden von eigener Sünde und Schuld. Er kann frei werden von lähmender Sorge und Angst. Er kann frei werden für andere. Er kann dienen, wie Jesus uns zuerst gedient hat. Die Krise zeigt es klar: Die Welt braucht Jesus. Die Welt braucht uns. Amen.

Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sein uns gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen. 

Sonntagsmeditation, 22 März 2020

Lieber Leser!

Gott hilft. Das gehört zu den Grundbekenntnissen der Christenheit. Das gilt auch in den aktuellen Viren Herausforderungen der Coronakrise. „Unsere Hilfe steht im Namen des HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat“ (Psalm 124,8). Umfassender geht es nicht, ja, der Name Jesus bedeutet nichts anderes als „Gott hilft“. Und das tut er vielfältig.

Am häufigsten geschieht seine Hilfe, ohne dass wir es bemerken. Gott bewahrt vor Not. In diesen Tagen ertappen wir uns dabei, dass wir das Kind einmal mehr streicheln, wir einen Frühlingsmoment intensiver genießen als sonst, ein „Verzeih mir“ gegenüber der Partnerin leichter über die Lippen geht. Die Selbstverständlichkeit, Gutes zu erfahren, ist abhanden gekommen. Gutes, Gelingen, Wachstum ohne Hindernis hat man bisher ohne Dank angenommen, ohne dahinter die segnende und bewahrende Hand Gottes zu entdecken. Es ist Zeit das Gute wahrzunehmen, zu danken. Es tut uns, nebenbei gesagt, gut.

Gott rettet aus der Not. Viele wagen sich das nicht zu sagen, weil nicht jeder aus der Not gerettet wird. Doch die Geschichten sind Legion, die von Gottes Hilfe reden. Fängt man ersteinmal an, hört man nicht mehr auf (Psalm 107). Wie viele allein haben ihre Rückkehr aus dem Krieg als Wunder erlebt? Es ist gut solche Geschichten zu erzählen, Gottes Rettung aus Not – sei es durch die Pflege von Ärzten oder wunderbare Wendungen zu benennen. Sie wecken die Hoffnung, dass es nie zu spät ist.

Wunderbarer ist für mich aber fast noch, wie viele bekennen, dass Gott in der Not hilft. Wie viele haben die Worte aus Psalm 23 schon als wahr erfahren? „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir“ (V. 4). Die Beziehung zu Gott rettet dabei nicht nur vor der in diesen Tagen um sich greifenden Einsamkeit, sondern schenkt Trost. Keiner muss seinen Weg allein gehen. Sie schenkt damit Kraft. Jeder Beter kann das erfahren. Die 28. Frage des Heidelberger Katechismus benennt, was entstehen kann, wenn man sich in der Führung eines guten Hirten weiß. Es entsteht die nun dringend nötige Geduld. Ja, es kommt sogar Glückseligkeit zum Vorschein, die von äußeren Umständen unabhängig ist. Es wachsen Vertrauen und Liebe in Gott.

Nicht zuletzt hilft Gott durch die Not. Viele fragen sich die Tage, ob die Krise, dass Beste oder das Schlechteste aus uns herausholt. Persönlich denke ich, dass es das herausholt, was vorhanden ist. Das ist sehr unterschiedlich. Mit einem gewissen Grad der Not, werden auch Lebenskonzepte und werte hinterfragt werden, wie z.B. „Hauptsache gesund“. Das wird enttäuschen, aber auch Täuschung beenden. Vieles Gutes arbeitet da gerade die Bevölkerung heraus und die Frage ist nur, ob das neu erkannte Wichtige, nach der Krise wichtig bleibt. Jesus hat gelehrt, nicht auf andere zu schauen, sondern sich selbst zu fragen: Beantworte ich die Fragen richtig, die die Krise stellt? Dann kann ich – und das geht nur persönlich – sagen: Durch die Not hat mir Gott geholfen.

Auch durch die Krise kommt neu die Frage nach dem Tod und der Ewigkeit ins Leben. In unser Gesellschaft häufig ausgelagert an Spezialisten, überspielt von Konsum und Entertainment, begegnet er einem die Tage ständig. Die Frage nach der Ewigkeit ist dabei nur eine der großen Fragen, die die Krise stellt. Christen werden dabei neu auf den geworfen, an den sie glauben: Jesus Christus, den für uns gestorbenen, aber auch Auferstandenen. Gott hat dem Tod durch Jesus Christus den letzten Schrecken genommen. Der Glaube an den Auferstandenen und das ewige Leben haben Christen zu allen Pestzeiten dieser Welt, frei gemacht für andere da zu sein, letztlich sogar unter Lebenseinsatz zu bleiben, ja Kranke und Sterbende bis zum Schluss zu begleiten.

Damit sind wir beim letzten Punkt: Gott hilft durch uns, durch Sie und mich: In Gott können wir gelassen bleiben, müssen weder panisch agieren, noch resignieren. Befreit von der letzten Sorge um einen selbst, kann man verantwortlich für die anderen da sein, ja Opfer bringen. Gerade um die Schwachen in der Gesellschaft zu tragen, die Alten und Kranken, wird es Opfer brauchen: Menschen, die den Kontakt wagen! Nicht alles kann die digitale Zeit leisten. Aber Gott kann durch uns Hoffnung geben. Gott hilft –

auch Ihnen und mir!

Ihr Pastor Raphael Vach

Freie evangelische Gemeinde Biebertal-Frankenbach

(Telefon: 06446-329/ pastor@feg-frankenbach.de)

Sonntagsmeditation, 15. März 2020

Liebe Geschwister,

der lebendige Gott hat es so geführt, dass die Coronaepedimie vieles in unserem Land und unserer Gesellschaft aktuell außer Kraft setzt. Das betrifft auch uns. Es ist jetzt nicht dran, einfach mit anderen Mitteln weiterzumachen sondern innezuhalten.

Der heutige Sonntag, an dem wir unsere Gottesdienste das erste Mal ausfallen lassen, steht unter der Überschrift Okuli „Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien“ (Psalm 34,16). Wir geraten nicht aus seinem Blick. Wir sind geborgen in ihm. Wir können uns dem stellen, was kommt.

Zugleich gilt der Spruch für die kommende Woche „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ (Lukas 9,62). Die Krise kann uns wachrütteln. Gott gibt uns die Chance der Besinnung und Umkehr, sich ganz an Jesus festzumachen. Wir haben die Zeit unsere Prioritäten zu überdenken. Es ist der Moment, die großen Fragen des Lebens neu zu stellen, unseren Alltag einer Überarbeitung zu unterziehen.

Nüchternheit ist dabei das Gebot der Stunde. Das gilt mit Blick auf das eigene Leben, Stärken und Schwächen, Sünde und Schuld neu zu benennen und zu bekennen. Das gilt mit Blick auf die Gesellschaft, nicht in Panik oder Resignation einzustimmen, sondern Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Die Platzanweisung Gottes ändert sich in Notzeiten nicht, sie wird nur ganz neu drängend. „Wachet“ (Mk 13,37; 14,48) ruft uns Jesus zu. Unser Blick soll auf Gott gerichtet sein, der die Kraft hat, den Kelch dieser Notlage an uns vorbeigehen zu lassen oder auch zu trinken. Unsere Hilfe und Solidarität gilt dabei den Geschwistern und Menschen in unserem Umfeld. Wie können wir sie stärken? Die gute Antwort: Die Liebe Gottes hat da immer Wege gefunden. Um sie dürfen wir bitten.

Unser Gebet gilt nicht zuletzt allen, die in dieser Herausforderung Verantwortung tragen. Für sie um Weisheit zu bitten, ist unser Auftrag. Nicht weniger gelten unsere Gebete den Menschen, die sich im medizinischen und pflegerischen Bereich um unsere Mitmenschen kümmern und sich der Krankheit dabei selbst aussetzen. Beten wir nicht zuletzt für die Menschen, die von der Krankheit betroffen sind, die Ungewissheit und Angst befällt. Unsere Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat (Psalm 121). Er schläft und schlummert nicht. Seine Augen liegen wohlwollend auf uns. Er selbst möge unseren Blick ganz auf ihn richten.

Einen gesegneten Sonntag, wünscht euch,

euer Raphael