Sonntagsmeditationen

Sonntagsmeditation 29.03.2020

Liebe Gemeinde,

das Coronavirus macht keine Unterschiede zwischen Menschen. Es fragt nicht nach Hautfarbe oder Geschlecht, Herkunft oder Religion, ob jemand arm oder reich ist, angesehen oder geächtet. Es trifft jeden. Mindestens in den Auswirkungen. Es ist eine Not der Menschheit.

Was ist unser Platz als Christen in dieser Not? Der Spruch für die kommende Woche aus Matthäus 20,28 gibt uns darauf eine Antwort: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“

Die Berufung Jesu war den Menschen zu dienen. Not von Menschen jammerte Jesus. Er war für sie da. Er hatte keine Berührungsängste – selbst bei Aussatz. Ja, er war bereit letztlich sein Leben zu geben für viele. Und so betete er für Menschen, befreite Menschen, heilte sie und segnete sie. Auch wenn sein Auftrag zuerst dem Volk Israel galt, machte auch er in seinem Dienst zwischen Menschen keinen Unterschied. Er half allen.

Unser Platz ist an der Seite Jesu. Unser Platz als Christen ist an der Seite der Menschen. Das war der Platz von Christen zu allen Notzeiten der Geschichte und sei es die Pest. Wir wollen Gott im Gebet bitten, dass er uns die Augen öffnet, zeigt, wo wir helfen können. Wir wollen die Nachbarhäuser und Kranken in Gedanken durchgehen und überlegen, wo Hilfe von Not sein könnte. Vielleicht braucht nicht jeder eine Einkaufshilfe. Vielleicht hilft vielen ein Anruf, ein Gespräch, ein gutes Wort oder auch nur ein Zeichen, im Blick zu sein. Es ist wichtig miteinander im Austausch zu bleiben. Es ist wichtig im Austausch mit Gott zu sein. Dann findet auch jeder seinen Beitrag, den er einbringen kann. Der eine spendet Blut, der andere Aufmerksamkeit, ein Dritter hilft, die digitale Welt mit ihren Angeboten Älteren zu erschließen. Not tut nun nicht nur die Not, sondern mehr denn je bei Gott und den Menschen zu sein. Wir wollen nicht wie Kain fragen „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“, sondern im Dienst dessen stehen, der der Menschenhüter schlechthin ist.

Unsere Aufgabe ist es nun nicht, zu fragen, ob das Ende der Zeit nahe ist – damit sollen wir rechnen – , sondern wir sollen uns fragen, ob Jesus von uns am Ende der Zeit sagen kann: „Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht“ (Matthäus 25,36). Wir sollen nicht fragen, ob Gott mit dieser Seuche die Welt richtet, sondern schauen, dass wir selbst so leben, nicht gerichtet zu werden. Mit Blick auf das eigene Leben kann die Bilanz da schnell nüchtern und trostlos ausfallen. Trost aber finden wir bei dem, der gekommen ist, sein Leben als Lösegeld zu geben für viele. Er, Jesus, ist nicht gekommen, um uns zu richten, sondern um uns zu retten. Wer sich ihm anvertraut, kann frei werden von eigener Sünde und Schuld. Er kann frei werden von lähmender Sorge und Angst. Er kann frei werden für andere. Er kann dienen, wie Jesus uns zuerst gedient hat. Die Krise zeigt es klar: Die Welt braucht Jesus. Die Welt braucht uns. Amen.

Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sein uns gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen. 

Sonntagsmeditation, 22 März 2020

Lieber Leser!

Gott hilft. Das gehört zu den Grundbekenntnissen der Christenheit. Das gilt auch in den aktuellen Viren Herausforderungen der Coronakrise. „Unsere Hilfe steht im Namen des HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat“ (Psalm 124,8). Umfassender geht es nicht, ja, der Name Jesus bedeutet nichts anderes als „Gott hilft“. Und das tut er vielfältig.

Am häufigsten geschieht seine Hilfe, ohne dass wir es bemerken. Gott bewahrt vor Not. In diesen Tagen ertappen wir uns dabei, dass wir das Kind einmal mehr streicheln, wir einen Frühlingsmoment intensiver genießen als sonst, ein „Verzeih mir“ gegenüber der Partnerin leichter über die Lippen geht. Die Selbstverständlichkeit, Gutes zu erfahren, ist abhanden gekommen. Gutes, Gelingen, Wachstum ohne Hindernis hat man bisher ohne Dank angenommen, ohne dahinter die segnende und bewahrende Hand Gottes zu entdecken. Es ist Zeit das Gute wahrzunehmen, zu danken. Es tut uns, nebenbei gesagt, gut.

Gott rettet aus der Not. Viele wagen sich das nicht zu sagen, weil nicht jeder aus der Not gerettet wird. Doch die Geschichten sind Legion, die von Gottes Hilfe reden. Fängt man ersteinmal an, hört man nicht mehr auf (Psalm 107). Wie viele allein haben ihre Rückkehr aus dem Krieg als Wunder erlebt? Es ist gut solche Geschichten zu erzählen, Gottes Rettung aus Not – sei es durch die Pflege von Ärzten oder wunderbare Wendungen zu benennen. Sie wecken die Hoffnung, dass es nie zu spät ist.

Wunderbarer ist für mich aber fast noch, wie viele bekennen, dass Gott in der Not hilft. Wie viele haben die Worte aus Psalm 23 schon als wahr erfahren? „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir“ (V. 4). Die Beziehung zu Gott rettet dabei nicht nur vor der in diesen Tagen um sich greifenden Einsamkeit, sondern schenkt Trost. Keiner muss seinen Weg allein gehen. Sie schenkt damit Kraft. Jeder Beter kann das erfahren. Die 28. Frage des Heidelberger Katechismus benennt, was entstehen kann, wenn man sich in der Führung eines guten Hirten weiß. Es entsteht die nun dringend nötige Geduld. Ja, es kommt sogar Glückseligkeit zum Vorschein, die von äußeren Umständen unabhängig ist. Es wachsen Vertrauen und Liebe in Gott.

Nicht zuletzt hilft Gott durch die Not. Viele fragen sich die Tage, ob die Krise, dass Beste oder das Schlechteste aus uns herausholt. Persönlich denke ich, dass es das herausholt, was vorhanden ist. Das ist sehr unterschiedlich. Mit einem gewissen Grad der Not, werden auch Lebenskonzepte und werte hinterfragt werden, wie z.B. „Hauptsache gesund“. Das wird enttäuschen, aber auch Täuschung beenden. Vieles Gutes arbeitet da gerade die Bevölkerung heraus und die Frage ist nur, ob das neu erkannte Wichtige, nach der Krise wichtig bleibt. Jesus hat gelehrt, nicht auf andere zu schauen, sondern sich selbst zu fragen: Beantworte ich die Fragen richtig, die die Krise stellt? Dann kann ich – und das geht nur persönlich – sagen: Durch die Not hat mir Gott geholfen.

Auch durch die Krise kommt neu die Frage nach dem Tod und der Ewigkeit ins Leben. In unser Gesellschaft häufig ausgelagert an Spezialisten, überspielt von Konsum und Entertainment, begegnet er einem die Tage ständig. Die Frage nach der Ewigkeit ist dabei nur eine der großen Fragen, die die Krise stellt. Christen werden dabei neu auf den geworfen, an den sie glauben: Jesus Christus, den für uns gestorbenen, aber auch Auferstandenen. Gott hat dem Tod durch Jesus Christus den letzten Schrecken genommen. Der Glaube an den Auferstandenen und das ewige Leben haben Christen zu allen Pestzeiten dieser Welt, frei gemacht für andere da zu sein, letztlich sogar unter Lebenseinsatz zu bleiben, ja Kranke und Sterbende bis zum Schluss zu begleiten.

Damit sind wir beim letzten Punkt: Gott hilft durch uns, durch Sie und mich: In Gott können wir gelassen bleiben, müssen weder panisch agieren, noch resignieren. Befreit von der letzten Sorge um einen selbst, kann man verantwortlich für die anderen da sein, ja Opfer bringen. Gerade um die Schwachen in der Gesellschaft zu tragen, die Alten und Kranken, wird es Opfer brauchen: Menschen, die den Kontakt wagen! Nicht alles kann die digitale Zeit leisten. Aber Gott kann durch uns Hoffnung geben. Gott hilft –

auch Ihnen und mir!

Ihr Pastor Raphael Vach

Freie evangelische Gemeinde Biebertal-Frankenbach

(Telefon: 06446-329/ pastor@feg-frankenbach.de)

Sonntagsmeditation, 15. März 2020

Liebe Geschwister,

der lebendige Gott hat es so geführt, dass die Coronaepedimie vieles in unserem Land und unserer Gesellschaft aktuell außer Kraft setzt. Das betrifft auch uns. Es ist jetzt nicht dran, einfach mit anderen Mitteln weiterzumachen sondern innezuhalten.

Der heutige Sonntag, an dem wir unsere Gottesdienste das erste Mal ausfallen lassen, steht unter der Überschrift Okuli „Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien“ (Psalm 34,16). Wir geraten nicht aus seinem Blick. Wir sind geborgen in ihm. Wir können uns dem stellen, was kommt.

Zugleich gilt der Spruch für die kommende Woche „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ (Lukas 9,62). Die Krise kann uns wachrütteln. Gott gibt uns die Chance der Besinnung und Umkehr, sich ganz an Jesus festzumachen. Wir haben die Zeit unsere Prioritäten zu überdenken. Es ist der Moment, die großen Fragen des Lebens neu zu stellen, unseren Alltag einer Überarbeitung zu unterziehen.

Nüchternheit ist dabei das Gebot der Stunde. Das gilt mit Blick auf das eigene Leben, Stärken und Schwächen, Sünde und Schuld neu zu benennen und zu bekennen. Das gilt mit Blick auf die Gesellschaft, nicht in Panik oder Resignation einzustimmen, sondern Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Die Platzanweisung Gottes ändert sich in Notzeiten nicht, sie wird nur ganz neu drängend. „Wachet“ (Mk 13,37; 14,48) ruft uns Jesus zu. Unser Blick soll auf Gott gerichtet sein, der die Kraft hat, den Kelch dieser Notlage an uns vorbeigehen zu lassen oder auch zu trinken. Unsere Hilfe und Solidarität gilt dabei den Geschwistern und Menschen in unserem Umfeld. Wie können wir sie stärken? Die gute Antwort: Die Liebe Gottes hat da immer Wege gefunden. Um sie dürfen wir bitten.

Unser Gebet gilt nicht zuletzt allen, die in dieser Herausforderung Verantwortung tragen. Für sie um Weisheit zu bitten, ist unser Auftrag. Nicht weniger gelten unsere Gebete den Menschen, die sich im medizinischen und pflegerischen Bereich um unsere Mitmenschen kümmern und sich der Krankheit dabei selbst aussetzen. Beten wir nicht zuletzt für die Menschen, die von der Krankheit betroffen sind, die Ungewissheit und Angst befällt. Unsere Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat (Psalm 121). Er schläft und schlummert nicht. Seine Augen liegen wohlwollend auf uns. Er selbst möge unseren Blick ganz auf ihn richten.

Einen gesegneten Sonntag, wünscht euch,

euer Raphael